the Berlin Concert - ganz meine Meinung

So, da waren wir also nach 3,5 Stunden Fahrerei in Berlin, genauer gesagt am und im Postbahnhof, noch genauer in dessen Fritz!-Club.

Sehr nette Location, dachte ich erst, dache ich nicht mehr, als ich später raus wollte, aber egal.

Was soll ich sagen, es scheint gerade hip zu sein in der Bundeshauptstadt, mindestens ein Bein nachzuziehen, ihr wisst ja, dass ich zu blumigen Übertreibungen neige, aber es war wirklich so, von den ersten 50 Leuten im Club haben mindetsens 10 gehinkt Wie nennt man das den nun szenedeutsch? Das monty-pyton'sche Ministry of silly walking hätte jedenfalls seine Freude gehabt.

Nun aber zum Gebotenen:

für 17 Euro pro Nase bzw. hinkendem Bein-Besitzer gabe es zunächte Elvis Perkins samt Combo, wirkten wie die musizierenden wild zusammengenähten Überreste nach einem bösen Verkehrsunfall von Beck und John Lennon. Die jungen Leute nennen das wohl Neo-Folk, war aber dennoch interessant.

Dann kam das Highlight, die Cold War Kids, was soll ich sagen, sie haben zu Recht den Ruf, derzeit die amerikanische Rockhoffnung zu verkörpern, und da waren sie also, als Vorband ohne richtigen Soundcheck, aber dennoch bestechend auf den Punkt. Was könnte es zum Bandnamen passenderes geben, als die Deutschland-Premiere in Berlin zu zelebrieren.

Der Sänger Nathan Willet wirkt zwar wie ein frustrierter BWLer, der eben einen Surfverleih eröffnet hat, besticht aber derart, das sich einem die Nackenhaare aufstellen. Der Gitarrist Jonnie Russel ist noch unscheinbarer, aber sobald er seiner Arbeit nachgeht, passt einfach alles. Der Mann am Bass, Matt Maust, ist ein Verrückter. Er legte während des Konzerts sicher 3 km zu Fuss zurück. Und der Vollständigkeit halber: Matt Aviero, Drums. Brilliant alle Vier. Ein echtes Erlebnis. Ein wunderbares Album.

Und dann waren da noch Clap Your Hands Say Yeah. Eine Band, auf ihren 2 Alben schon an der Erträglichkeitsgrenze, nerven Live völlig, der Sänger schafft es, von der Album-Atmosphäre seiner lethargisch auf der Lauer liegenden Nörgelstimme nur noch das Generve zu transportieren, die Jungs spielen willenlos mit, er spricht ständig von seinem neuen Album, kurz gesagt unnötige Ego-Show eines Soziopathen, so sehen Massenmörder aus...

Trotzdem ein geiler Abend den Kindern des kalten Krieges sei es gedankt.

ps: Ach ja, warum ist eigentlich im paragraphenverseuchten Deutschland eine Konzert-Location erlaubt, in die man zwar hinein- aber nur unter Einsatz seines Lebens, unter ständiger Gefahr, zerquetscht zu werden, wieder heraus kommt?

pps: Berliner sind unfreundliche Egoisten und Drängler. Berlinerinnen auch. Buh!
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